Manchmal gibt es im Leben diesen einen Moment, nach dem nichts mehr so ist wie vorher.
Manchmal sitzt man einfach da, auf einem Stuhl, mit einem Telefon in der Hand oder einem Menschen gegenüber, der gerade etwas gesagt hat, das man zwar hört, aber noch nicht begreifen kann. Die Worte sind da. Sie haben Klang. Sie haben Bedeutung. Und trotzdem kommen sie nicht richtig an. Sie bleiben irgendwo hängen, an einer unsichtbaren Schwelle zwischen Ohr und Herz. Der Verstand nickt, aber der Körper fühlt sich irgendwie taub an. In diesen Momenten kann man ganz klar wahrnehmen, dass wir mehr sind als Körper: der Geist ist nämlich schon ganz woanders, der Körper kommt nicht mit.
Und dann ist da dieses Loch danach.
Ich glaube, viele von uns kennen es. Diesen dröhnenden Raum, der entsteht, wenn die alte Wirklichkeit aufgehört hat und die neue noch keinen Namen trägt. Wenn man in einer Form Abschied hängt. Dieses innere Nachfallen. Viele kennen das nach einem Besuch. Diese dröhnende Stille. Und ich glaube auch, dass wir sehr gut darin geworden sind, dieses Loch sofort zuzuschütten.
Mit Funktionieren. Mit Essen. Mit Fernsehen. Mit Scrollen. Mit Aufräumen. Mit Suchen. Mit Planen. Mit dem nächsten Griff nach Kontrolle. Pläne schreiben, den nächsten Schritt ausarbeiten. Denn dieses Loch ist so schwer auszuhalten. Weil es weh tut. Weil es uns für einen Augenblick ganz nackt vor das stellt, was gerade wirklich ist.
Aber genau dieses Loch ist so viel wichtiger, als wir denken.
Denn es ist nicht nur ein Abgrund. Es ist es eine Schwelle. Ein Portal. Kein schnelles „Alles wird gut“. Kein Trost, der zu klein ist für das, was gerade geschehen ist. Sondern das Portal in den ersten echten Raum danach. Einen Raum, in dem nichts sofort gelöst wird. Einen Raum, in dem wieder ein Atemzug Platz finden darf.
Genau dort beginnt Linnés neues Buch.
Es wird ein Buch für schwere Tage. Für Menschen, deren Leben plötzlich aus dem Lot geraten ist. Für diesen Moment nach dem Moment, wenn man noch nicht weitergehen kann, aber auch nicht mehr zurück. Für das stille Aushalten, bevor überhaupt wieder ein Schritt möglich ist.
Linné kommt in diesem Buch nicht, um wegzumachen, um Pflaster zu kleben oder irgendwas an eine andere Stelle zu schieben. Sie sagt nicht, dass du stark sein musst (das musst du nämlich nicht). Sie macht das Schwere nicht kleiner und den Schmerz nicht hübscher.
Sie setzt sich einfach dazu.
An den Rand dieses Lochs. In diesen Raum, in dem alles noch dröhnt. Sie bleibt einfach da. Ohne dich irgendwo hinzuziehen. Ohne aus deinem Schmerz sofort eine Aufgabe zu machen.
Das ist Halt. Etwas bleibt neben dir, während in dir noch alles fällt.
Erst später, wenn irgendwo in diesem Raum ein erster Atemzug wieder Platz findet, geht Linné mit dir weiter.
Nur durch diesen einen Tag.
Vom Aufwachen bis in die Nacht. Vom ersten schweren Morgen bis zu dem Moment, in dem der Körper sich wieder ins Bett legt und die Gedanken trotzdem noch wach sind. Schritt für Schritt. Langsam. So langsam, wie die Seele mitkommen kann.
Das Buch wird heißen:
Ein leiser Spaziergang durch den Tag
Hand in Hand. Mit Linné.
Ich nehme euch hier auf Linnés Welt mit in die Entstehung. In die Texte, in die Bilder, in die Gedanken dahinter.
Es wird ein kleines, stilles, echtes Buch für Menschen, die gerade einen Tag schaffen müssen, der viel zu groß geworden ist.
Und wenn es irgendwann fertig ist, wünsche ich mir, dass es sich anfühlt wie eine kleine Linné neben dir.
Genau da. Einfach. Neben dir.
Solange, bis wieder ein Atemzug Platz hat.




