Du bist gut genug

Was passiert, wenn wir aufhören, uns reparieren zu wollen?

Vielleicht kennst du diese Tage, an denen sich das ganze Leben anfühlt wie ein Kleid, das an allen Nähten spannt.

Du stehst morgens auf, funktionierst, lächelst, nickst und gibst dein Bestes. Du trägst deinen Alltag, deine Familie, die Pflege oder einfach nur das laute Rauschen dieser Welt auf deinen Schultern. Und tief in dir drinnen flüstert diese kleine, unerbittliche Stimme:

„Du bist zu langsam. Du bist zu müde. Du schaffst das alles nicht gut genug. Streng dich einfach noch ein bisschen mehr an.“

Wir haben gelernt, dass man dieses Gefühl „wegmachen“ muss. Dass man ein Buch lesen muss, um besser zu werden, achtsamer, gelassener oder produktiver.

Aber weißt du was? Wenn du vollkommen erschöpft bist, brauchst du keine neue To-do-Liste. Du brauchst niemanden, der dir erklärt, wie du dein Leben in sieben Schritten optimierst.

Du brauchst einfach nur einen Ort zum Hinsetzen.

Linné zieht dir einen Stuhl heran

Genau aus diesem Gedanken heraus ist in den letzten Monaten mein neues Buch gewachsen: „Du bist gut genug“.

Als ich angefangen habe, die Texte zu schreiben und die Bilder zu beschreiben, wollte ich am Anfang vielleicht auch trösten und alles wieder gutmachen. Aber mitten im Prozess hat Linné mich leise am Ärmel gezupft und mich an etwas erinnert:

Ein Ort ohne Eile ist kein Ort, an dem Probleme gelöst werden. Es ist ein Ort, an dem sie einfach da sein dürfen.

Dieses Buch ist wie der Besuch in Linnés kleinem Café im Schneckental geworden. Auf der Menükarte stehen keine Rezepte, die dich heilen oder verändern sollen. Jedes Gericht holt eine ganz bestimmte Facette dieses Gefühls an den Tisch:

  • Da ist das Butterbrot, wenn du so unendlich müde bist und beschließt, dich heute einfach gar nicht mehr anzustrengen.
  • Da ist der Scherben-Salat, wenn dir etwas aus den Händen geglitten ist, du davor stehst und dich schämst.
  • Die Kräutersuppe, wenn du nach links und rechts schaust und denkst: Warum fällt den anderen eigentlich alles so leicht?
  • Der Apfelkuchen, wenn du dir unendlich viel Mühe gegeben hast – und niemand hat es bemerkt oder gewürdigt.
  • Der Kakao „Heute reicht’s“, wenn du gerade durchatmen wolltest und der innere Antreiber mit dem Klemmbrett schon wieder die nächsten Pflichten einfordert.
  • Und die Zimtschnecke, wenn du nachts im Bett liegst und die stumme Unruhe im Kissen einfach nicht stillstehen will.

Nichts davon muss weggemacht werden

Linné setzt sich neben dich. Sie bewertet nichts davon. Sie nimmt dir die Scherben nicht hektisch aus der Hand, und sie sagt dir nicht, dass morgen mit ein bisschen Sonnenschein schon alles wieder gut wird.

Sie schiebt dir einfach einen Teller hin. Sie hält den Raum mit dir aus.

Denn der wichtigste Satz in diesem ganzen Buch lautet nicht: „Du musst jetzt positiv denken.“ Er lautet:

Du musst dich nicht erst besser fühlen, um hier willkommen zu sein.

Ein Buch zum Durchatmen

Es sind 132 Seiten geworden, gefüllt mit meinen Bildern, mit leisen Geschichten und ganz viel freiem Raum zum Atmen. Ein Buch, das du aufschlagen kannst, wenn dein Kopf zu voll ist und dein Herz schwer wird.

Du musst dieses Buch nicht von vorne nach hinten „durcharbeiten“. Du musst nichts daraus lernen.

Schlag einfach irgendeine Seite auf, nimm dir eine warme Tasse Tee in beide Hände und erlaube dir, für einen Moment genau so da zu sein, wie du gerade bist. Mit deinen Rissen, deinen Sorgen und deiner Müdigkeit.

Hier brennt immer ein Licht für dich.

Von Herzen,

Deine Susanne

(und ein leises Schneckenlächeln von Linné 🐌💛)

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